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    Zu Ernst Ludwig Kirchners „Bahnübergang“ (1914)   Irgendwann vor langer Zeit habe ich gemerkt, dass Kinder die Dinge, die auf Kunstwerken zu sehen sind, gar nicht richtig wahrnehmen. Sehr viele Kinder deuten beispielsweise die Brücke auf Kirchners Gemälde als Fluss. Aus dieser Beobachtung habe ich den Schluss gezogen, dass die Dinge benannt und gezeigt werden sollten. Hinzu kommt, dass unsere Kinder über immer weniger Wortschatz verfügen und oft die Dinge gar nicht richtig benennen können. Daraus ziehe ich die Konsequenz, dass im Museum „Sprache gefördert“ werden sollte. Meine These: Wer Wörter zu einem Bild kennenlernt, sieht mehr.   Ich versuche diese These am Beispiel zu verdeutlichen:   Es sind nicht nur Häuser auf dem Bild zu sehen, es sind große Häuser mit Balkonen und Erkern aus alter Zeit, Mietshäuser, die in der Stadt stehen und nicht in einem Dorf. Es sind Häuser mit Geschäften und Markisen. Eine Hauswand ist begrünt, vielleicht mit Efeu oder ist das Gebilde auf der Hauswand ein Werbeplakat? Der Maler hat die Dinge nicht so genau gemalt. Das sieht man auch bei den Menschen auf der Brücke. Die einfachste Art einen Menschen zu malen ist ein Strich.   Das Benennen und Auslegen der Wörter führt auch Grundschüler zu einer vertieften Betrachtung, ohne dass kunsthistorische Zusammenhänge erläutert werden müssen. Die Wahrnehmung und die Anbindung an Alltagserfahrungen sind wesentlich. Ich freue mich, wenn die Brücke auf dem Bild als Fluss gesehen wird. Dies gibt mir die Gelegenheit, über das Wetter zu sprechen. Ernst Ludwig Kirchner hat es im Bild „regnen“ lassen. Das Grün auf der Brücke ist kein Busch, sondern ein aufgespannter Regenschirm und das Wasser auf der Straße erleben wir vor unserem inneren Auge als ein „symbolisches“ Blau und erwarten nicht das Silbergrau der realen Situation: Die Maler des Expressionismus haben die Farben stärker gemalt als sie in Wirklichkeit sind.   Lokomotiven sind auf dem Bild und Wagons, Gleise, man kann auch Schienen dazu sagen, diagonal verläuft die Brücke durch das Bild. Man sieht Bäume mit zerzausten Baumkronen. Das deutet auf starken Wind. In den Kirchtürmen könnten Glocken läuten. Haben Sie die Straßenbahn entdeckt? Am unteren Rand blitzt ein Stück Balkon auf. Ernst Ludwig Kirchner hat sein Bild mit der auffälligen x-förmigen Komposition von dort aus gemalt. Ob er wohl den Lärm der Züge und der Großstadt nicht mochte? Vielleicht hat er die Szene deswegen wie mit zwei sich kreuzenden Strichen durchstreichen wollen?   In dieser Großstadtszene könnte es laut sein. Nach dieser intensiven Erkundung des Bildes können wir eine Geräuschkulisse zum Bild entwerfen. Die Geschichte, die ich im Museum zum Bild erzähle, wird von den Kindern „vertont“:   An einem kalten Morgen in Berlin   Es ist 6 Uhr in der Frühe. Die Kirchturmglocken läuten …… Es regnet…… Der Wind weht……. Von ganz fern kommen 2 Züge immer näher………. Das Geräusch der Züge wird immer lauter……. Jetzt sind sie beim Bahnübergang angekommen. Dann werden die Zuggeräusche immer leiser. Menschen sind auf der Brücke. Einige von ihnen reden miteinander…… Jetzt kommt die Straßenbahn. Sie bimmelt…….. und hält quietschend an der Haltestelle……… Weil es immer noch so stark regnet ……. und der Wind heult…….., laufen die Menschen schnell mit polternden Schritten zur Bahn ………, steigen ein und die Türen klappen zu……….       Fazit:   •           Die Förderung von Sprache unterstützt die Wahrnehmung von Kunst.   •           Sprache im Museum ist keine Alltagssprache, hier geht es um „geschulte (Fach-)Sprache“   •           Der Wechsel von genauem Schauen und Aktion hilft Kindern, sich auf Aufgaben einzulassen, sich zu motivieren und zu konzentrieren.   •           Museumspädagogische Übungen wie die „Geräuschkulisse“ helfen, Kunstwerke lebendig werden zu lassen und das Museum als einen Ort der Inspiration und Fantasie zu erleben.“  
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Anna Viehoff schrieb: Am 12. März 2014 war es endlich so weit. Die Ausstellung „Vorbilder –Nachbilder. Dix und Ich“ der Schülerinnen und Schüler des Kunst LK des Paul-Klee Gymnasiums in Overath wurde in der Grafikvorlage des Museum Ludwig feierlich eröffnet. Bei Getränken, Klaviermusik und Dankesreden konnten die Schülerinnen und Schüler ihr Schaffen den neugierigen Besuchern präsentieren. Angeregt durch ihre Lehrerin Anne-Christine Keßeler setzten sich die Schülerinnen und Schüler über drei Monate mit dem Künstler Otto Dix auseinander. Durch das Anfertigen von Zeichnungen, Fotografien, malerischen Skizzen und der Technik des kreativen Schreibens näherten sie sich dem Künstler Otto Dix und seinem facettenreichen Werk. Doch auch die Kunstbetrachtung der Originalwerke des Künstlers war ein wichtiger Teil des Entstehungsprozess. Begleitet wurde der Besuch der Originalwerke von Angelika von Tomaszewski, der Leitung der Kunstvermittlung am Museum Ludwig, Dr. Julia Friedrich, der Kuratorin der Grafischen Sammlung, sowie Björn Föll von der Museumsschule. Die erworbenen Eindrücke und Erkenntnisse haben die Schülerinnen und Schüler anschließend in ihre eigenen Werke einfließen lassen. Die eigenen Arbeiten zeigen verschiedene Seiten der Künstlerinnen und Künstler selbst, ganz so wie es Dix im folgenden Zitat beschreibt: „Meine Selbstbildnisse sind Bekenntnisse eines inneren Zustandes. Immer wieder stelle ich erstaunt fest: Du siehst doch ganz anders aus, als du dich selbst bis jetzt dargestellt hast. Es gibt da keine Objektivität, fortgesetzt erfolgt eine Wandlung; es gibt so viele Seiten eines Menschen. Im Selbstbildnis kann man am besten studieren.“ Im Unterricht und  Zuhause hat der Kunst LK intensiv gearbeitet. Doch auch nach der Fertigstellung der Werke haben die Schülerinnen und Schüler noch einmal kuratorisch Hand angelegt. Denn im Ausstellungsraum musste entschieden werden welches Bild wo seinen Platz findet. Mit Unterstützung des professionellen Hängeteams des Museum Ludwig und unter den neugierigen Augen von Journalisten wurde viel überlegt, diskutiert und umgehängt, bis alle zufrieden waren. Das Ergebnis dieses Arbeitsprozesses wird nun noch bis zum 30.März 2014 in der Grafikvorlage des Museum Ludwig gezeigt.                
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 Unsere Praktikantin, Yasmin Samray berichtet über die Lehrerfortbildung "Heute bin ich" im Museum Ludwig: "Heute bin ich…“ – so lautete die Lehrerfortbildung im Museum Ludwig, die Karin Rottmann und Angelika von Tomaszewski letzen Dienstag durchführten. Die Fortbildung hatte das Ziel, Grundschulpädagoginnen und -pädagogen ein neues Schülerwerkstattprogramm im Museum Ludwig vorzustellen. Das preisgekrönte Bilderbuch "Heute bin ich" der bekannten niederländischen Illustratorin Mies van Hout ist dabei die Ausgangsidee für einen Museumsrundgang. Link zu einer Buchrezension: http://www.kinderbuch-couch.de/van-hout-mies-heute-bin-ich.html Zu Beginn der Fortbildung versammelten sich die 23 Teilnehmerinnen in der Werkstatt des Museums. Hier erfolgte eine Einführung von Frau Rottman in das Thema „kreativ Lernen“ und „Lernen im Raum Museum“,sowie die Vorstellung des Bilderbuches „Heute bin ich“. Link zur Buchung: http://museenkoeln.de/home/default.aspx?s=724&zielgr=11&Inst=,9,1 In Interaktion mit den Teilnehmern wurde das Buch vorgestellt, besprochen und mit den Erfahrungen der Lehrerinnen zum Thema „Lernen“ verknüpft. Wir beschäftigten uns mit der Frage, inwieweit man kreatives Lernen sinnvoll einsetzen und umsetzen kann und wie es gelingt, die Kinder aktiv miteinzubinden. Hier auch wieder ein Verweis zur Lernumgebung Museum, in dem die Kinder aus ihrer alltäglichen schulischen Lernumgebung herausgenommen werden und in einem neuen, stimulierenden Umfeld die Möglichkeit haben, sich mit ausgewählten Themen zu beschäftigen und diese einmal ganz anders wahrzunehmen. Unserer Fortbildung stand unter dem das Thema „Gefühle“ in Bild und Wort. Das Bilderbuch von Mies van Hout ist ein hervorragender Anlass, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Auf jeder zweiten Seite des Buches findet man einen Fisch, der von einer Künstlerin mit Ölkreide gestaltet wurde und eine bestimme Emotion ausdrückt. Es gibt zum Beispiel mutige, erstaunte, zornige Fische. Das Bild wird jeweils mit dem entsprechenden Adjektiv auf der gegenüber liegenden Seite konfrontiert. Sinnvoll (aber nicht notwendig) ist natürlich eine Vorbereitung des Museumsbesuchs in der Schule. Im Deutschunterrricht ab der 2. Klasse werden Adjektive als Wortart eingeführt und das Bilderbuch gibt Gelegenheit, sich mit den vielen Eigenschaften der Fische sehr sinnlich auseinanderzusetzen und den Wortschatz zu erweitern. Im Museum kann die Vorarbeit der Schule genutzt werden, um Bildfiguren zu charakterisieren. Wir sind also mit unserer Lehrergruppe selbst ins Museum gegangen und haben von Frau Rottmann viele Ideen bekommen, was genau man mit den Schülern machen kann. Frau Rottman wählte hierzu das Werk „Maskerade“ von Karl Hofer aus. Nun wurde eine Freiwillige dazu aufgefordert, sich vor das Bild zu stellen und Frau Rottman passte die Haltung unseres „Versuchsmodells“ an die Figur des Bildes an. Es ging darum, die möglichst exakte Haltung und den gleichen Gesichtsausdruck und die Emotion nachzustellen und nachzuempfinden. Nun wurde die Haltung aufgelöst und die Gruppe selbst gab durch Erklärungen Anweisungen, wie die Freiwillige sich wieder in die gleiche Position zurückversetzen sollte. Gar nicht so einfach – aber ein sehr schönes Gruppenspiel – fanden unsere Lehrerinnen. Anschließend wurden passende Adjektive zu den Clowns auf Hofers Gemälde gesammelt und auf dem Boden ausgelegt. Die Auseinandersetzung mit den Eigenschaften der Bildfiguren führte uns dann auch zur Interpretation des Gemäldes. Das Lebensgefühl der Dargestellten war nicht lustig, wie man es bei Clowns vermuten würde, deren wahre Gesichter waren traurig. Nach der Auseinandersetzung mit Emotion in Bild und Wort vor Gemälder der Haubrichsammlung im Museum Ludwig ging unsere Expedition weiter zu den monochromen Bildern von Yves Klein. Spontan wurde von der Gruppe Wasser und Himmel zu den Gemälden assoziiert. Dies wurde zum Anlass genommen, zwei Gruppen zu bilden und Himmels- und Wasserwesen aufzulisten. Jede Teilnehmerin bekam ein Zeichenblatt und sollte entsprechend ihrer Gruppe den Kopf einer Figur beginnen und die Zeichnung bis auf die Anschlussstellen abdecken und der Nachbarin weiterreichen. Die zeichnete dann das Mittelstück der Figur, deckte die Zeichnung erneut ab und gab das Blatt wieder weiter. Auf diese Weise entstand dann eine witzige Figurenwelt, die in der Werkstatt des Museums entsprechend der Idee von Mies van Hout farbig mit Ölkreide auf stark farbigem Tonpapier umgesetzt wurde. Natürlich wurde zu jeder Zeichnung ein entsprechendes Adjektiv gefunden und unter die Fisch- oder den Vogelgestalt geschrieben.      
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Die Neugestaltung des Museum Ludwig durch Philipp Kaiser hat die Museumspädagoginnen und -pädagogen zu einer Reihe neuer Schülerwerkstattthemen inspiriert. Gestern trafen wir uns im Werkraum des Museums und haben unsere Ideen ausgetauscht. Einige ganz neue Angebote gehen nun bald in die Erprobung und werden noch einmal im Team diskutiert bevor die Programme veröffentlicht und beworben werden. Für die Grundschule werden wir in einer Schülerwerkstatt mit einem Bilderbuch arbeiten, das für den Deutschen Jugendliteratur Preis nominiert ist: Mies van Hout: Heute bin ich, aracari verlag, Zürich 2012. Die Bilderbuchfische in leuchtend schillernden Farben drücken Gefühle und Stimmungen aus. Uns begeisterte, dass die zauberhaften "Wasserwesen" so starke Emotionen ausdrücken und mit Eigenschaftswörtern verbunden werden, wie beispielsweise glücklich, nervös, zornig oder scheu. Im Museum werden wir dazu Kunstwerke vorstellen, deren Figuren wir ebenfalls mit "Eigenschaftswörtern" charakterisieren können. Uns ist es wichtig, im Museum mit den Schülergruppen Spracharbeit zu leisten und das visuelle Erlebnis mit Wortschatzarbeit zu verknüpfen. Natürlich werden wir zu Beginn des Jahres dazu auch wieder eine Lehrerfortbildung für die Primarstufe aber auch für Förderschulen anbieten. Wir hoffen, den Kolleginnen und Kollegen aus der Schule damit ein interessantes Programm im Kontext eines außerschulischen Lernortes zu bieten.
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Kleine Vorfreude auf einen tollen Kurzfilm zum Projekt "lyrix" vom Deutschlandfunk! [Mehr]
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Sommer, Sonne, Ferien. Und unsere berühmte Nana von Niki de Saint Phalle braucht neben ihrem Badeanzug noch einige hübsche Kleider. Dabei haben uns kleine Nachwuchs-Designer geholfen. [Mehr]
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Heute geht es um schräge Typen, die eine Street-Fashion der besonderen Art repräsentierten. Eine Klasse einer Förderschule ließ sich von Saul Steinbergs Bilderfindungen inspirieren. [Mehr]
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Madonnen-Projekt: Teil 3
Bericht vom Praxis-Workshop im Museum Ludwig, bei dem einige schöne Siebdruck-Arbeiten entstanden sind. [Mehr]
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Unser Bericht von der Lehrerfortbildung zur Saul Steinberg Ausstellung. [Mehr]
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Wie der erste Workshop unseres Gender-Projektes "Madonnen zwischen Eva und Maria" gelaufen ist, berichten wir in unserem aktuellen Post. [Mehr]