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"Achse", eine große Arbeit von Robert Rauschenberg, stand im Zentrum des letzten Museumsworkshops der 7c, einer reinen Jungenklasse der Ursulinenrealschule in Köln. Im Projekt "7c Goes Pop" erkundeten die Jungen die neue Sonderausstellung, die die Pop Art-Sammlung des Sammlerehepaares Ludwig in Szene setzt. Herr Peters, der Kunstlehrer und ich wählten die zu besprechenden Werke auch unter Gendergesichtspunkten aus. Dies wertschätzte die Lerngruppe, und es war für uns erstaunlich, dass die meisten der Jungen sehr intensiv auf die ausgewählten Kunstwerke ansprachen. Rauschenbergs Arbeit wurde zunächst formal untersucht. Wir sahen, dass die großformatige Collage aus vier Leinwänden besteht, auf der Farbflächen verteilt sind. Einzelne Schüler sortierten einzelne Farben als Karten auf der Demonstrationsfläche. Mit dem Kunstlehrer, der auch als Künstler arbeitet, konnten wir diskutieren und erfuhren von ihm, dass er Farben oft intuitiv setzt. Auch Robert Rauschenberg verteilte die Farbflächen frei, es entstehen auf diese Weise keine Schwerpunkte. Nicht nur die Farben Rot, Orange, Gelb, Blau, Schwarz und Weiß und Formen, wie wir das aus der abstrakten Malerei kennen, sind auf der Leinwand verteilt, Rauschenberg ordnete ebenso verschiedene Motive auf seiner Bildfläche. Wortkarten mit Begriffen wie Wahrzeichen, Symbol, Politiker, Kunstwerk, Technik oder Raumfahrt wurden den Bildmotiven zugeordnet und vermittelten ein wildes Chaos, wie ein Schüler feststellte. Im nächsten Schritt sahen wir, dass die Bildmotive alle etwas mit den USA zu tun haben. Interessant war die Rotfärbung des Fotos von John F. Kennedy. Die Schüler meinten, dass dies möglicher Weise ein Hinweis auf die Ermordung des Präsidenten sei. Auch das für die USA wichtige Ereignis der Mondlandung wurde im Bild entdeckt. Immer mehr der wild zusammengesetzten Bildelement ergaben Bedeutung. Der Fußabdruck auf der Leinwand könnte als Hinweis auf  die Fußspur des Astronauten auf dem Mond verstanden werden, die Freiheitsstatue als Wahrzeichen der Vereinigten Staaten. Wir stellten fest, dass Rauschenberg ein Bild von Amerika gestaltet hat. Das Amerika von 1964, wie die Beschriftung informierte. Die Klasse sollte sich nun eine praktische Aufgabe stellen. Und es wurde sehr schnell klar, dass das ein Bild von ihrem Leben in Köln sein soll: mit Dom, dem Geißbock, Handys und was 12-jährige Jungen sonst noch finden werden.  
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Die Internationale Klasse des Heinrich-Mann-Gymnasiums traf sich erneut zu einem Workshop im Museum Ludwig. Diesmal stand die Arbeit "Achse" von Robert Rauschenberg von 1964 im Mittelpunkt. Jede Schülerin bzw. jeder Schüler sollte zunächst das Kunstwerk betrachten und dabei auf einem Blatt die Bewegungsspur der Augen festhalten und durch die Zahlen 1-10 markieren. Im zweiten Schritt schrieben alle auf, was den Blick festgehalten hat, beispielsweise die rote Farbe, das Bild von John F. Kennedy, die Freiheitsstatue, eine Kreisform oder einen Fußabdruck. Auf diese Weise wurde ein Wortschatz zum Kunstwerk zusammengetragen und Zeit gegeben, das Bild genauer wahrzunehmen. Einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wanderten ihre Betrachtungsspur im Bild nach. Dadurch konnten wir sehen, dass sich die Augen wie Tänzer über die Leinwand bewegten. Dies gab Gelegenheit, über die enge Zusammenarbeit von Robert Rauschenberg mit dem Choreographen Merce Cunningham  und die Erweiterung des Kunstbegriffs zu sprechen. Danach interessierte uns die Frage, welche Bilder der Künstler in seiner Arbeit verarbeitet hat. Wir entdeckten in John F. Kennedy den bekannten Politiker, möglicher Weise gekennzeichnet durch die rote Farbe als Hinweis auf seine Ermordung. Wir entdeckten Bilder im Kontext der Mondlandung, das Paradeprojekt der USA, das Fortschritt symbolisiert ... Die Schülerinnen und Schüler sahen, dass Robert Rauschenberg ein Bild seiner Zeit entworfen hat. In der Schule will die Kasse nun auch eine großformatige Collage zu ihrer Zeit gestalten. Das Projekt mit der Internationalen Klasse des Heinrich-Mann-Gymnasiums wird im nächsten Jahr fortgeführt.      
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Schon mehrmals hatten wir zusammengearbeitet - heute kam die Klasse in weitgehend neuer Zusammensetzung. Einige der Schülerinnen und Schüler sind neu in die Lerngruppe gekommen und kannten die Arbeit im Museum noch nicht so gut. Die "alten Hasen" erklären den Neulingen schnell, wie das so abläuft. Wir versammelten uns zunächst in einem ruhigen Besprechungsraum und klärten, was wir heute im Museum machen wollten. Anders als die Museums-AG der Pestalozzischule, hatte Lehrerin Janina Goldberg ihre Schülerinnen und Schüler im Matheunterricht mit dem Thema "Formen" beschäftigt. Dass dieses Thema auch etwas mit dem Museumsbesuch zu tun hatte, wussten die Jugendlichen nicht. Deswegen sortierten wir erst mal unser Vorwissen und ordneten die mitgebrachten Wörter den Formen zu. Im Museum gingen wir dann auf die Suche nach diesen Formen. Es war erstaunlich, dass in sehr vielen Bildern diese Formelemente zu finden sind, auch wenn es gar nicht um Geometrie ging. Es ist schön, die Schülerinnen und Schüler auch mal frei zu Kunstwerken reden zu lassen. Vor Paul Klees "Hauptweg und Nebenwege" wurde nicht nur die Nillandschaft entdeckt, man sah auch direkt eine Leiter, die von unten nach oben in den Himmel führt. Und ein Schüler meinte, dass man dahin ginge, wenn man tot sei und ein anderer sah, dass man direkt zum Himmel gehen oder auch Umwege gehen könne. Seiwertz Gemälde "Stadt und Land" wurde auf die bereits beschriebene Weise bearbeitet. Diesmal legten die Schülerinnen und Schüler Figuren im Stile des Vorbildes auf den Museumsboden. Es entstand eine Gemeinschaftsarbeit mit Feldern, einer Lokomotive, die zur Fabrik fährt und vielen bunten Bauern. Da unser Treffen das letzte in diesem Jahr war, wollten wir noch etwas besonderes machen. Die Klasse wünschte sich eine "Überraschung" und ich erzählte eine kleine Geschichte zu Ernst-Ludwig Kirchners Gemälde "Bahnübergang". Die Schülerinnen sollten mit den passenden Geräuschen meine Geschichte vertonen. Das gefiel einer Schülerin so sehr, dass sie fragte, ob sie die Geschichte auch mal erzählen dürfe und die Klassenkameraden die Geräusche machen sollten. Das war eine Premiere und wir alle hatten unsern Spaß. Es ist erstaunlich, was regelmäßige Museumsbesuche bewirken. Ich bemerke, dass sich die Schülerinnen und Schüler mit jedem Mal freier im Museum bewegen und sich freuen und die Situation genießen. Es entsteht Vertrauen auf beiden Seiten. Es ist schön zu sehen, wie selbständig die Schüler ihre Aufgaben lösen und auch neue Dinge entdecken und ihre Potentiale nutzen. Die begleitenden Lehrerinnen heute bemerkten, dass die Klasse in der letzten Zeit sehr unruhig sei, dass das Museum jedoch eine Verhaltensänderung bewirkt. Die sonst schwierigen Jugendlichen sind hier ausgeglichen und diszipliniert. Das freut uns natürlich alle sehr.    
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Wer war Elvis, und wer ist Mick Jagger? Eine ganze Reihe der Jungen kannte die Stars von damals nicht mehr und fanden auch die Bildsprache der Kunstwerke nicht ansprechend, sondern "langweilig". Elvis Presley ist schließlich nur  als schwarz-weißes Bild zu sehen. Aber dennoch faszinierten die Bildgestaltungsstrategien bei genauerer Betrachtung und regten die Schüler für eigene Bildideen an. Der Cowboytyp mit den schicken Hüftgürteln mit Revolverholster und Messertasche steht wohl auch noch heute als männliches Vorbild für die Generation der 12-jährigen Jungen, und es ist erstaunlich, wie viel Zeit die Betrachtung der Waffen im Bild in Anspruch nahm.  Im heutigen Museumsbesuch war das Genderthema im Zentrum. In der Woche zuvor hatten die Arbeitsgruppen ihre Stars von heute gesammelt und waren auf die Ausdrucke von Portraits sehr gespannt, die sie im Workshop bearbeiten sollten. Die favorisierten Stars der Jungen waren Ronaldo, Tyga, Tim Wiese, Lukas Podolski, Lebron James, Vitali Klitschko und Michael Jordan. Mit diesen Portraits in den Händen lautete der Auftrag, die Gestaltungsweisen der Mick-Jagger-Portrait-Serie auf den eigenen Star zu übertragen.  Vor den Bildern im Museum experimentierten sie mit den Fotos, legten Konturzeichnungen auf Transparentpapier auf ihre Kopien, variierten Hintergründe und setzten Farbflächen ein. In der Werkstatt entstanden dann die Portraitcollagen im Stil der Mick-Jagger-Serie.  
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Die Gruppe der Museumsbesucherinnen und -besucher der Sprachintegrationsklasse ist größer geworden. Das liegt nicht am Zuwachs weiterer Schülerinnen und Schüler, sondern an denjenigen, die bereits im Regelunterricht des Heinrich-Mann-Gymnasiums hospitieren und vom Unterricht befreit werden wollten, damit sie mit ihrer "alten" Klasse ins Museum kommen konnten. Schulleiter Michael Mohr hat dem gerne zugestimmt. Er berichtete, dass die Schülerinnen und Schüler die Museumsbesuche genießen und in der Schule weiter darüber sprechen. Auch mir viel auf, dass eine Reihe von den "stillen" Jugendlichen anfangen, sich zu beteiligen. Dominique Tetzlaff, die Deutschlehrerin der Gruppe, berichtete, dass eine Schülerin im Unterricht der Schule zwar sehr fleißig ist, aber nie einen mündlichen Beitrag geliefert hat, im Museum aber mit diskutiert und ein Arbeitsergebnis vorgetragen hat. Der dritte Besuch galt zur Hauptsache einem Werk von Robert Indiana. Er ist derjenige der Künstler der amerikanischen Pop Art, der sich mit Schrift und Worten beschäftigt hat. Berühmt wurde er mit der Gestaltung des Wortes "Love". Der erste Auftrag lautete, Puzzlestücke zur großen Schwarz-Weiß-Malerei richtig zusammenzusetzten. Dabei merkten die Schülerinnen und Schüler, dass das Wort zweifach gespiegelt wurde. Liebe als "Spiel", Liebe kann Gefühle "auf den Kopf stellen". Mit diesen ersten Eindrücken als Impuls sollte die Klasse in Gruppenarbeit eine Liste von Assoziationen, geordnet nach dem ABC sammeln. Dabei konnten sie auch ihre Herkunftssprachen mit einbeziehen. Die anschließende, sehr offen von den Schülerinnen und Schülern geführte Diskussion zeigte, dass das scheinbar so "einfach" gestaltete Bild sehr tiefgründig ist. Liebe ist ein zentraler Begriff im Leben und in der Religion, Liebe hat helle und dunkle Seiten, jeder verbindet mit dem Wort Wünsche ... Es entstand eine riesige Liste von Wörtern, die in einer weiteren Aufgabenstellung noch einmal bearbeitet werden sollte. Zu Eugen Gomringers Gedicht "vielleicht" sollte ein Parallelgedicht geschrieben werden, indem geeignete Nomen aus Wörtern der zusammengetragenen Wortliste zum Bild "Love" eingetragen werden sollten. Eine ganze Reihe von Schülerinnen und Schülern waren bereit, ihr Gedicht vorzutragen. Im Deutschunterricht wird nun weiter an den Gedichten gearbeitet. Es hat uns sehr gefreut, dass die Klasse nach unserem Workshop noch eine weitere halbe Stunde durch das Museum gehen wollte.      
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Wir berichteten bereits einige Male über unsere Arbeitsgemeinschaft zum Thema "Leichte Sprache". Interessierte Lehreinnen treffen sich zu einer Vorbereitungssitzung im Museum und diskutieren Ideen für einen Museumsbesuch. Unsere letzte AG-Sitzung fand zum Thema "rund und eckig" statt. Ein Gemälde des Kölner progressiven Künstlers Seiwert stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Kolleginnen aus der Pestalozzischule bereiteten die Museumsbesuch ihrer Museums-AG vor. In einer Mail wurden mir Informationen zur Vorbereitung des Museumsworkshops mitgeteilt: Aus einer Mail von Frau Bahlo: "Wir hatten heute unsere Vorbereitungsstunde mit den Museumsschülern zum Thema "Stadt und Land" von Seiwert und es kamen tolle Ergebnisse raus. Die Schüler konnten fast alle die Formen zeigen und benennen. Als Farben hatten wir uns gedeckte und Erdtöne/Naturtöne ausgesucht. Mit den Papierschablonen (Kreis, Dreieck, Quadrat, Sichel, ....) haben die Schüler experimentiert und es kamen erste "Figuren" und Bilder zustande. Frau Wischmeyer hatte schon eine Bildbeschreibung in einfacher Sprache  geschrieben und diese haben wir als "Arbeitsauftrag" vorgelesen. Zum Maler und dem Gemälde haben wir keine Infos gegeben ... Jetzt freuen wir uns auf einen gemeinsamen Museumsvormittag am 26.11.2014  (10-12 Uhr)". Hier der Text zum Bild in "Einfacher Sprache": "In dem Bild sieht man Vierecke und Kreise.Sie haben verschiedene Farben.Mit den Vierecken und Kreisen hat der Maler ein ganzes Bild gemalt:Da ist ein Mann mit einem Hammer.Er kommt aus der Stadt und ist ein Arbeiter.Vor der Stadt sieht man ein Tor.Durch das Tor kann man in die Stadt reingehen.Dann sieht man über dem Tor ein Haus mit einem Kreis.Vielleicht ist das ein Fenster.Darüber sind drei Türme.Die nennt man Schornsteine.Vielleicht gehören das Haus und die Türme zu einer Fabrik.Vielleicht arbeitet der Mann in der Fabrik.Die Stadt mit der Fabrik sieht dunkel aus.Es ist noch ein anderer Mann da.Der Mann ist ein Bauer.Er lebt auf dem Land - nicht in der Stadt.Er hält ein rundes Messer in der Hand.Das Messer nennt man Sichel.Mit der Sichel schneidet der Mann langes Gras ab.Der Mann arbeitet auf den Feldern.Sie sind mit gelben, grünen und braunen Vierecken gemalt.Morgens geht die Sonne auf im blauen Himmel.Der Bauer beginnt seine Arbeit.Der Bauer auf dem Land und der Arbeiter in der Stadt gehören zusammen.Sie reichen sich die Hand.Sie arbeiten gemeinsam für die Menschen." Soweit der Text, der von Frau Wischmeyer formuliert wurde. Im Museum arbeiteten wir dann nach Plan. Zunächst wurde berichtet, was in der Schule vorbereitet worden war. Der Text wurde noch mal als Erinnerungshilfe vorgelesen. Die Schülerinnen und Schüler untersuchten die Gemälde des Raumes in Bezug zu den Formen und legten sie vor den Bilder ab. Wir entdeckten Seiwerts Gemälde und beschäftigten uns mit den Formen und dem Inhalt. In der Werkstatt entstanden in Einzel- und Partnerarbeit Collagen als Nachbereitung.        
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Im Projekt "7c GOES POP" beschäftigten sich die 30 Jungen bei einem weiteren Besuch der Sonderausstellung im Museum Ludwig mit Andy Warhols "Red Race Riot" von 1963. In der Woche zuvor setzte sich die Klasse im Kunstunterricht mit den Bildern, die der Fotograf Charles Moore von den Birmingham-Aufständen gemacht hatte, und den Rassenunruhen auseinander. Vor Warhols Siebdruck erzählten sie, was sie über Martin Luther King und die Zeit der Auflehnung gegen die Rassentrennung in den USA recherchiert hatten. Die Jungen stellten auch einen Transfer zu den aktuellen Unruhen in der Stadt Ferguson her und meinten, dass Rassismus sowohl in Amerika als auch hier bei uns noch vorhanden sei. Sie meinten auch, dass die Arbeit von Andy Warhol dieses Thema darstelle. Wir analysierten die Stilmittel, die der Künstler anwendete, die rote Farbe als Hinweis auf Blut und Gewalt und die Wiederholung des Schäferhundmotivs und die Hilflosigkeit und Demütigung der Opfer. Vor dem Original legten wir die drei Bildmotive von Charles Moore nach der Gestaltungweise von Warhol zusammen, sahen, dass Wiederholungen ein Stilprinzip ist und auch die bewusst gewählten Ausschnitte. Das Bild wirkt aggressiv auch wegen der formalen Gestaltung. Die Jungen sahen aber auch, dass der Siebdruck unscharf ist und die Eindrücke verschwimmen und schlechter in unser Bewusstsein führen. Auch die Schüler hatten bereits die Erfahrung gemacht, dass die Nachrichten im Fernsehen und die vielen Bilder, die massiv auf uns einwirken, uns abstumpfen. Mit Duane Hansons aggressiv wirkenden "Football-Spielern"  beschäftigten wir uns als nächstes. Die Präsenz der Figuren fasziniert und die Klasse konnte gleich weitere Werke des Künstlers in der Ausstellung aufzeigen. Die Beschäftigung mit der Figurengruppe führte uns zum Thema der praktischen Aufgabenstellung. Das Thema "Fußballspiel" sollte mit Ausschnitten, Wiederholungen und Bewegungsrichtungen der Bildelemente im Stil von Warhol als Collage ausgearbeitet.        
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Ein ganzes Schuljahr lang wird Bernhard Peters mit seiner 7c in regelmäßigen Abständen ins Museum gehen. Wir wollen herausfinden, ob diese mit dem Kunstunterricht eng verknüpften Museumsbesuche besondere Effekte haben werden. Im ersten Schulhalbjahr steht die Sonderausstellung "LUDWIG GOES POP" auf dem Programm. Die 7c ist eine monoedukative Jungenklasse der Ursulinenrealschule. Natürlich war es ein großes Anliegen, bei einem vorbereitenden Treffen Kunstwerke auszuwählen, die die Jungen interessieren und zur Diskussion anregen. So werden der "doppelte Elvis" und "Mick Jagger" von Andy Warhol als "Genderthema" auf der Agenda stehen, Robert Rauschenbergs "Axle", Warhols "Red Race Riot" und Tom Wesselmann "Landscape 2" mit dem überdimensionierten VW-Käfer. Generell kann man nicht sagen, dass die Auswahl genderspezifisch ist, denn alle Werke werden auch mit gemischten Klassen thematisiert, wenngleich die über den Kunstlehrer eingebrachten Interessen der Lerngruppe berücksichtigt werden konnten. Beim ersten Treffen beschäftigten wir uns mit Wesselmanns "Landschaft Nr. 2". Ein großes Auto verdeckt in weiten Teilen die Sicht auf die Landschaft, den Himmel und ein winzig klein wirkendes Menschenpaar. Die Schüler sollten nun ein Arbeitsblatt bearbeiten, indem die Bildelemente neu beschriftet werden. Sie sollten nach Dingen Ausschau halten, die in ihrem Leben die Wichtigkeit hat, die das Auto in Wesselmanns Werk hat. Da stand natürlich sofort das Wort "Handy" auf den meisten der Arbeitsblätter. Wie man gute Collagen macht, konnten die Jungen dann anhand der verschiedenen Hintergründe und vorbereiteten Bilddetails erproben und wir fanden einige Prinzipen heraus, die Tom Wesselmann für die besondere Wirkung seines Bildes eingesetzt hat. Man kann mit den Größenverhältnissen spielen und man kann Dinge verknüpfen, die normalerweise unüblich sind.. Mit diesen Anregungen soll es nun im Kunstunterricht weitergehen. Und nächste Woche heißt es wieder "7c GOES POP". Tom_Wesselmann.pdf (75,96 kb)    
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Das Heinrich-Mann-Gymnasium kooperiert seit einiger Zeit mit dem Museumsdienst Köln. Wir haben uns vorgenommen, mit der Sprachintegrationsklasse der Schule mehrere Museumsbesuche durchzuführen und dabei die Arbeit mit Sprache zu betonen. Dieses Pilotprojekt will untersuchen, ob Museumsbesuche und Werkbetrachtungen die Sprachkompetenz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fördern können. Beim ersten Treffen im Museum Ludwig beschäftigten wir uns mit verschiedenen geometrischen Formen, die in einer Auswahl von Bildern gesucht werden sollten. Daran schloss sich die Werkbetrachtung des Gemäldes "Stadt und Land" von Franz Wilhelm Seiwert an. Über die Methoden der Werkbetrachtung ist in anderen Blogbeiträgen schon mehrmals berichtet worden. Zum Abschluss des Treffens sollten die Schülergruppen ein Museumsgraffito auf dem Museumsboden legen, das die Bildaussage des Kunstwerkes zum Ausdruck bringt. Eine Gruppe legte das Wort "Unterstützung" und wollte damit zum Ausdruck bringen, dass die beiden Männer, der Bauer und der Arbeiter, die sich in Seiwerts Gemälde die Hand reichen, sich gegenseitig unterstützen. Das ist natürlich ein wunderbares Wort, das auch die Einstellung der betreuenden Pädagogen zum Ausdruck bringen kann. Wir wollen mit unserer Arbeit im Museum die vielen Flüchtlinge und Migranten, die zu uns nach Deutschland kommen, willkommen heißen, sie auf dem Weg ihrer Integration in die neue Lebenswelt unterstützen und ihnen über den Besuch unserer Museen eine Teilhabe am kulturellen Leben unserer Stadt ermöglichen. Uns erscheint es auch wichtig, die Herkunftssprachen der Kinder und Jugendlichen einzubeziehen. Es war ein wunderbares Erlebnis zu sehen, wie viele Sprachen in den Wörtern auf dem Boden versammelt waren. Die 18 Schülerinnen und Schüler dieser Integrationsklasse sprechen 17 verschiedene Sprachen. Das führte uns zu der Überlegung, dass wir eine "reiche" Stadt sind, in der so viel Sprachkompetenz zusammenkommt. Und das machte uns alle ein wenig stolz! Wir werden über die Folgeveranstaltungen berichten.  
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Über diese Methode haben wir an dieser Stelle bereits öfters berichtet. Am Montag dieser Woche beschäftigten sich die freiberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Fortbildung im Museum Ludwig mit der spektakulären Arbeitsweise. Wie alles begann: Im Rahmen eines Workshops über urban knitting und andere Guerillamethoden im Stadtraum, entstand für mich die Frage, ob diese Ideen auch für Museumsräume interessant wären. Im Workshop häkelte ich eine kleine wilde Stoffpuppe, die mich plötzlich an den kleinen wilden Mann im Museum Schnütgen erinnerte. Was wäre, wenn diese kleine wollige Puppe im Museum in der Nähe des Kunstwerkes säße? Es war faszinierend zu sehen, dass die beiden "wilden" Geschöpfe im Museum in einen Dialog traten. Leserinnen und Leser des Blogs wissen, was dann geschah. Eine ganze Grundschule beteiligte sich am Projekt "Das wilde Museum" und gestaltete im Kunst- und Textilunterricht "wilde Puppen", die zu einem großen Schulfest im Museum Schnütgen den Museumsraum bevölkerten. Die Guerillamethoden ließen mich jedoch nicht los und ich kam auf den Gedanken, die Methode der Graffitis für die Museumspädagogik zu entwickeln. Naturlich sind Sprühflaschen tabu. Gehäkelte Schnüre sind jedoch ein softes Medium. Mit Schnüren kann man Wörter auf den Boden legen. Die ersten Fortbildungen mit dem Museumsgraffiti zeigten, dass die beteiligten Teilnehmer regelrecht fasziniert waren. Museumsgraffiti - wie geht das? Die Methode eignet sich besonders gut für Gruppenarbeit. Es wird die Aufgabe gestellt, entweder ein Wort für den Ort, ein Wort für ein Kunstwerk oder ein Wort zwischen zwei Kunstwerke zu legen. Die einzelnen Gruppen schauen sich zunächst in Ruhe den Museumsraum an und entscheiden dann gemeinsam, welches Wort geschrieben werden soll. Dann wählen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Schnüre aus. Mittlerweile ist das Angebot unterschiedlicher Farben und Materialien sehr groß und es beginnt eine manchmal schwierige Phase des Gestaltens. Das Plenum enträtselt dann die Wörter und spekuliert über die Gedankengänge, die zum Wort geführt haben. Die Gruppe selbst erklärt zum Schluss ihr Vorgehen. Was ist das Besondere am Museumsgraffiti? Die mit der Methode beteiligten Museumsbesucher finden eigenständig ihre Themen, diskutieren untereinander, die Gesamtgruppe kommuniziert symmetrisch. Die Methode thematisiert dem Museumsraum und die Hängung, weil die Wörter eine Resonanz auf den Ort darstellen. Die beteiligten Besucherinnen und Besucher gestalten sogar den Museumsraum, die Wörter sind ein sichtbarer Kommentar. Museumsgraffities sind subversiv und eröffnen auch für unbeteiligte Besucher und Museumsleute neue Betrachtungsperspektiven. Unsere Fortbildung: Wir fertigten unsere Graffities in der Sammlung Haubrich an. Natürlich sind die Kolleginnen und Kollegen alle mit den Kunstwerken vertraut und es wurden unabhängig von den anderen Gruppen Wörter ausgewählt, die das Thema Nacktheit und Sexualität thematisierten. Wir stellten alle fest, dass die Hängung des Saales diesen Schwerpunkt zum Ausdruck bringt. Die Thematik brennt uns natürlich auch unter den Nägeln, denn die vielen Schulklassen, die durch den Expressionismus von uns begleitet werden, werden von den Inhalten tangiert.