Kurzinformation:
Modenschau-Projekt mit einer internationalen Förderklasse
Konzept: Karin Rottmann
Durchführung: Anke von Heyl
Partner: Berufskolleg Humboldtstraße Köln
Finanz./Koop.: PWC-Stiftung
Zielgruppe: Jugendliche mit Migrationshintergrund

Kleider machen Leute - und noch mehr

Kleider transportieren Aussagen, informieren über die soziale Stellung und vermitteln Werte und Einstellungen zum Leben. Sie sind wichtiger Bestandteil unseres Verständnisses von Kultur. Oft ist auch die Anpassung an einen gewissen Kleidungsstil ein erstes Zeichen von Integration in eine neue Kultur. Die Auseinandersetzung mit Kostümen und Trachten der Heimat lassen aber auch ganz neue Gefühle aufkommen, wie z.B. Stolz auf die eigenen Traditionen.

Bei dem Projekt „Aus einem fernen Land" hat der Museumsdienst Köln mit der Unterstützung der PWC-Stiftung „Jugend – Bildung – Kultur" mit der Internationalen Förderklasse des Berufskollegs Humboldtstraße Köln zusammengearbeitet. Das Vorhaben sollte in der Projektwoche umgesetzt werden. Das Team aus Museumspädagoginnen, Deutschlehrerin und Förderlehrerin planten gemeinsam mit den Schülerinnen einen Workshop zum Thema „Der Körper als Bühne" im Rautenstrauch-Joest-Museum, eine Auseinandersetzung mit den mitgebrachten Festtagskleidern, die im Kontext des Deutschunterrichts beschrieben wurden. Daraus entwickelten sich die Texte für die Moderation der Modenschau. Zur Vorbereitung der Modenschau erhielten sie ein Laufstegtraining mit dem Leiter der Tanzabteilung der Rheinischen Musikschule.

Unter der Leitung der Lehrerin Theresa Kuß entstand so eine Modenschau der besonderen Art. Die Jugendlichen aus insgesamt 24 Nationen Kleidung aus ihren Ursprungsländern organisiert und sie bei einem professionell eingeübten Catwalk präsentieren. Karin Rottmann vom Museumsdienst Köln sieht in diesem von der PWC-Stiftung geförderten Programm Möglichkeiten zur Unterstützung in vielen Herausforderungen, die die Schülerinnen und Schüler der Internationalen Förderklasse zu bewältigen haben. Sehr viel Wert legte das Programm auf die Sprachförderung, die auf dem Weg zu eigens erstellten Moderationstexten und Beschreibungskärtchen für die traditionellen Kostüme und Volkskleidung geleistet wurde. Dies geschah mit Unterstützung von museumspädagogischen Rundgängen im Rautenstrauch-Joest-Museum, wo die Prinzipien der Kleiderkunde anhand unterschiedlicher Vorbilder eingeübt wurden. Am Ende stand eine bunte und unterhaltsame Modenschau „aus einem fernen Land …" mit Kleidung aus Togo, dem Kongo, Simbabwe, Kenia, China, Afghanistan, der Türkei, dem Kosovo, Marokko und vielen weiteren Ländern.

Die Feedbackanalyse zeigte, wie teambildend das Projekt war: Es stärkte ungemein das Selbstwertgefühl der Jugendlichen (30 % Waisen, Flüchtlinge mit traumatischen Erlebnissen). Lavinia aus Rumänien verweigerte ihren Auftritt 2010 beim Vorgängerprojekt. Jetzt eröffnete sie die Modenschau, indem sie ein rumänisches Volkslied sang. Das Publikum - etwa 130 zuschauer - war begeistert über die Bedeutungsfülle der präsentierten Kleidung und über die Offenheit und den Charme der jungen Models, die hier in Köln eine neue Heimat finden wollen. Die Jugendlichen wünschten sich eine Fortsetzung und machten Themenvorschläge.

(AvH/KR)