Das museumsübergreifende Projekt "Die Farbe Blau" hat eine etwas längere Vorgeschichte. Heute habe ich mich mit Karin Rottman getroffen, die mir die Ideenfindung in dieser Sache berichtet hat. Sie ist Leiterin der Schulprogramme und der Kreativen Arbeit und seit 1996 im Museumsdienst. Hier hat sie in der Vergangenheit in vielen Veranstaltungen immer wieder neue museumspädagogische Methoden getestet und evaluiert. Im letzten Jahr reiste sie auf Einladung des Goethe-Instituts durch Südamerika und stellte die Arbeit des Museumsdienstes vor. Bei der Vorbereitung der Präsentation wurde ihr noch einmal deutlich vor Augen geführt, welche besondere Herausforderung die übergreifende Tätigkeit für insgesamt acht städtische Museen mit sich bringt. "In der Vergangenheit haben wir in einer Art Rotationsprinzip immer mal wieder Projekte in einem anderen Museum initiiert. Manchmal auch mehrere parallel. Aber mir schwebte schon seit längerer Zeit vor, ein Thema zu finden, welches in allen Häusern eine Rolle spielt. Damit lassen sich die Aktivitäten ganz anders bündeln und auch in der Außenwirkung kommunizieren", sagt Karin Rottmann.

 

 

Von früheren Veranstaltungen klang ihr noch die Farbe Blau im Ohr. Sie schien perfekt für das thematische Spektrum der Kölner Museen - sie kommt in vielen Kulturen vor, ist kulturgeschichtlich äußerst spannend. "Ich habe dann die Kollegen gefragt, was in den jeweiligen Museen zur Farbe Blau zu entdecken sein könnte. Und es kamen erstaunlich viele Anknüpfungsmöglichkeiten zurück. Im Römisch-Germanischen Museum fand sich z.B. auf dem Dionysos-Mosaik ein kleiner Amor mit blauen Flügelchen, im Museum für Ostasiatische Kunst existiert ein blauer Frühlingsdrache. Die blauen Mäntel der mittelalterlichen Madonnen im Wallraf oder Museum Schnütgen sind ebenso ein spannendes Thema wie die Blaufärber am Waidmarkt, die im Kölnischen Stadtmuseum während der letzten Sonderausstellung thematisiert wurden." Sukzessive wurden Themen für jedes der 8 städtischen Museen gesammelt, die nun in verschiedene museumspädagogische Projekte einfließen können. Bei der Umsetzung zählt Karin Rottmann auf die Zusammenarbeit mit einem großen Netzwerk an Kulturschaffenden von Schauspielern über Theaterpädagogen bis hin zu den Künstlern und Kulturwissenschaftlern, die als freie Mitarbeiter des Museumsdienstes an so einem Großprojekt mitwirken.

Eine Besonderheit verbindet die unterschiedlichen Einzel-Projekte zur "Farbe Blau" - alle sind als Schüler-Trainees angelegt. Das heißt, dass der Focus der museumspädagogischen Arbeit auf der Präsentation liegt. Das Stichwort "Teilhabe", welches in der Kulturlandschaft so gerne verwendet wird, wird in diesem Zusammenhang wörtlich genommen. Mit unterschiedlichen Schul-Patenschaften werden nun den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Herausforderungen gestellt: eine Ausstellung erarbeiten, ein Lyrik-Projekt mit dem Deutschlandfunk stemmen - inklusive Schreibwerkstatt und Rezitation. Ein Blau-Theater inszenieren oder einen Film drehen. Am Ende jeden Workshops steht die Aufführung, eine Eröffnung oder Präsentation vor Publikum. "Die Schülerinnen und Schüler müssen dann nicht nur ihre Arbeit, sondern auch sich selbst präsentieren. Sie lernen, welche Anforderungen beispielsweise professionelles Ausstellen mit sich bringt. Oder wie man im Museum den Besuchern eine gelungene Performance zu einem Bild präsentiert."

Dass so ein großes Unterfangen nicht aus dem allgemeinen Etat zu stemmen ist, versteht sich quasi von selbst. Bereits im zweiten Jahr konnte Karin Rottmann die PricewaterhousCoopers-Stiftung gewinnen, Projekte zu fördern. Und so entstand der Reigen an sehr spannenden Projekten, die in den nächsten Wochen und Monaten an den Kölner Museen durchgeführt werden können und über die demnächst hier mehr zu erfahren sein wird.