Was die Ägypter herausgefunden haben, wurde auch in der Glasherstellung der Römer weiter verwendet: durch die Beigabe von Kobalt beim Schmelzprozess kann ein kräftiges dunkles Blau erzielt werden. Köln war in der Antike ein Zentrum der Glasherstellung. Es wurden aber nicht nur kostbare Trinkgefäße aus Glas hergestellt, sondern auch kleine Skulpturen und vor allem die Glasstäbe, aus denen dann in unvorstellbar aufwändiger Arbeit die Mosaike hergestellt wurden. Im Dionysos-Mosaik gehen die Glasstückchen in die Millionen. Mehr zum berühmten Mosaik hier Weitere Beispiele sind ein kleiner Jungenkopf aus blauem Glas und eine Kaiserbüste aus fast türkis schillerndem Glasüberzug.

 

Bildnis des Kaisers Augustus, 2. bis 3. Jahrzehnt des 1. Jh.n.Chr., vermutlich Italien

Die mittelalterliche Glasmalerei steigert sich zu unglaublicher Pracht, als das Konzept gotischer Architektur die Farb-Raum-Wirkung entdeckt. Besonders die puzzleartige Zusammenstellung durchgefärbter Gläser erzielt eine Wirkung, die damals Vorstellungen des himmlischen Jerusalems entsprachen. Eine Scheibe im Museum Schnütgen zeigt, wie vor leuchtend blauem Hintergrund die biblischen Geschichten erzählt werden.

Steinigung des hl. Stephanus, Köln um 1280, Glasmalerei, 64 x 57 cm. Mehr zu dem Glasfenster hier

Von den Kirchenfenstern wieder zurück zu den kostbaren Trinkgefäßen. Auf den Bildern barocker Maler können wir nachvollziehen, wie die Glasbläser-Kunst zur Demonstration von Luxus und Wohlstand herangezogen wurde. Die hohe Kunst der Glasgestaltung ist allerdings in der Epoche anzutreffen, welche auch die Handwerkstechniken feiert. Und es gibt wohl kaum einen Künstler, der dabei so oft genannt wird, wie Emile Gallé. Er trat mit neuen Techniken auf den Plan, schmolz Gold mit ein oder zeigte fast malerisch anmutende Naturdarstellungen auf mattem Glasfluss.

Unter Sammlern immer begehrter werden dann im 20. Jahrhundert die sogenannten Unikatgläser. Zu diesen zählt auch das fantastische Exemplar von Per Lütken, welches die Glassammlung des Museums für Angewandte Kunst bereichert. Fast wie ein überdimensionaler Wassertropfen kommt dieses Design-Objekt aus dem Jahre 1950 daher. Die komplizierte Herstellungstechnik und mehr über den Designer lesen Sie hier.

 

Per Lütken für das Glaswerk Holmegaard A/S, Næstved (DK), um 1950, blaues Farbglas, H. 41 cm