Vor dem Ausblick auf den wunderschönen japanischen Garten liegt ein Rechteck aus Tatami-Matten und im Foyer des Museums für Ostasiatische Kunst ist alles vorbereitet für den ersten Ferienkurs "Kumihimo". Diese faszinierende Flechttechnik ist eine uralte japanische Tradition. Und sie wird nun schon seit über 30 Jahren von der Meisterin ihrer Kunst, Hoko Tokoro in Köln gelehrt. Ich freue mich sehr, sie wiederzusehen. Heute begrüßt sie insgesamt 16 Kinder, die schon alle gespannt bereit stehen. Auf jedes Kind wartet ein sogenannter Marudai, eine Art Schemel, der zum Flechten von langen Seidenfäden zu kunstvollen Schnüren dient. Die Kinder warten geduldig, denn sie bekommen jeder ein eigenes Muster zugewiesen. Ein Mädchen kommt schon seit 2005 - sie hat eindeutig die meisten Fäden auf ihrem Marudai und legt nach einer kurzen Einweisung von Frau Tokoro auch direkt los. Jeder Teilnehmer hat übrigens ein kleines Heftchen, in welchem sorgfältig vermerkt wird, welche Stufe man erreicht hat.

Die feinen Seidenstränge sind meterlang und werden von den Helferinnen auf die Spulen gewickelt. Mich interessiert besonders, wie Frau Tokoro die leuchtenden Farben der Fäden hinbekommt. Sie erzählt mir, dass sie die blauen Farben durch das Einfärben mit Indigo erreicht. Wenn sie ihre Seidenraupen daheim in Ogaki mit einem speziellen Gras füttert, dann entstehen leuchtend gelbe Seidenfäden. Und besonders kräftig orange werden die Fäden, wenn die Färbemeisterin ihnen Granatapfel verfüttert. Es begeistert mich immer wieder, mit welcher Liebe zum Detail alles behandelt wird. Das fängt von den schönen Schachteln an, in welchen die kostbaren Seidenfäden ruhen und geht bis zu den Gewichten aus Keramik, die in schön gestalteten Beuteln in der Mitte der Flechtarbeit hängen.

Obwohl Kumihimo in seiner Vollendung die kompliziertesten Muster erzeugen kann, ist die Technik auch für Kinder leicht zu erlernen. Mit seinen rhythmischen Bewegungen führt das Flechten zu der für das ostasiatische Kunsthandwerk so typischen meditativen Haltung. Allein schon das Zusehen bringt nicht nur Freude sondern auch Entspannung. Als die Kumihimo-Technik noch ausschließlich von Mönchen beherrscht wurde, waren die feinen Muster der einzelnen Schnüre genau festgelegt und das Flechten diente den Möchen als Meditationsübung. Auch die Verwendung der Farben hatte immer einen besonderen Hintergrund. So dienten zum Beispiel blaue aber auch grüne und purpurne Fäden der Abwehr des Bösen. Eine Schülerin von Frau Tokoro hat hier die Geschichte des Kumihimo zusammengetragen.

 

Man sieht übrigens später an der fertigen Schnur ganz genau, wie es um die Konzentration bei der Herstellung bestellt war. Je mehr man sich dem meditativen Rhythmus des Flechtens hingibt, umso ebenmäßiger erscheint dann das fertige Muster. Die fertige Arbeit wird dann übrigens durch einen kunstvollen Knoten geadelt.