1951 malt der Künstler WOLS sein "Fantôme bleu", das heute im Museum Ludwig hängt. Alfred Otto Wolfgang Schulze lebt in Paris und arbeitet inmitten der existentialistischen Künstlerszene, die nach den schrecklichen Ereignissen des Krieges immer wieder die Frage danach stellen, wie man nun eigentlich überhaupt Kunst machen könne. Sicher nicht, indem man die Wirklichkeit eins zu eins abbildet. Da sind sie sich alle einig. Und so werden Bewegungen wie das "Informel" geboren, eine Kunstrichtung, die sich der Gegenstandslosigkeit als Ausweg verschrieben hat. Wols gilt als einer ihrer Hauptvertreter. Bei seiner Arbeit ist der Einfluss der Surrealisten deutlich zu spüren und auch beim blauen Phantom leuchtet das Unbewusste deutlich heraus. Das kleine versehrte Wesen aus einer anderen Welt scheint die Erfahrung des Krieges schmerzhaft am eigenen Leib gespürt zu haben. 

 

Bei dem allgegenwärtigen Blau auf diesem Bild fühlt man sich automatisch an das englische "feeling blue" erinnert. Die Farbe blau wird in diesem Zusammenhang nicht mit dem heiteren Mittagsblau eines hellen Sommertages assoziiert. Sondern vielmehr mit dem Blau der Dämmerung. Auch mit dem milchigen Blau des Mondscheins. Hier tritt der Begriff der "Melancholie" in Erscheinung. Geister und Dämonen sind auch häufig von bläulichem Schimmer umgeben. Der Sog der blauen Farbfläche auf dem Gemälde führt in eine Art Zwischenreich. Das Unterbewusstsein spielt einem Streiche, das Phantom fängt an zu tanzen und schnell sieht man sich in einem Reigen tollkühner Assoziationen und Geschichten. Mit den Methoden des kreativen Schreibens gelangen die Teilnehmer eines Workshops an ihre unterbewussten Quellen. Und finden so leicht Zugang zu einer kreativen Auseinandersetzung mit dem Kunstwerk.

Große Kunst hat eine Aura, die die Seele berührt. Es gibt keine bessere Anregung, eigene kreative Ansätze in der Werkstatt des Museums umzusetzen. Die Kunstbetrachtung trägt Früchte. Und das eigene Bild entsteht. Dabei geht es vor allem um das Nachempfinden der künstlerischen Ideen und weniger darum, etwas nachzumalen.