Wenn man sich einmal auf ein bestimmtes Thema fokussiert, dann sieht man plötzlich die ganze Welt mit anderen Augen! Es fallen einem Dinge auf, die vielleicht banal und nebensächlich sind, die aber dann im Gesamten plötzlich ein schönes Puzzleteil ergeben. Blaue Schuhe zum Beispiel! Aber es passiert auch, dass man ein besonderes Highlight in den Reigen aufnehmen kann, das schon für sich strahlt! So ging es mir mit der fantastischen Ausstellung "Schimmernde Alltagskleider. Indigo, Glanz und Falten", die von Walter Bruno Brix im Museum der Kulturen in Basel eingerichtet worden ist.

 

Walter Bruno Brix ist ein Textil-Spezialist und Künstler, der seit vielen Jahren für den Museumsdienst Projekte vor allem im Museum für Ostasiatische Kunst betreut. Seine künstlerischen Arbeiten, in denen das Handwerk und die Traditionen Japans eine wichtige Rolle spielen, sind ein wichtiger Beitrag zur Kölner Kunstzene. Nach einem Studium der japanischen Sprache lebte er eine Zeitlang in Japan, um sich dort intensiv mit den textilen Traditionen auseinander zu setzen. Weitere Aufenthalte nutzte er, um in die Kunst der Papierherstellung einzutauchen und sich mit den Tradition der buddhistischen Textilien vertraut zu machen. Zurück in Europa setzte er seine Erkenntnisse als Wissenschaftler ein, um Sammlungen japanischer und später auch chinesischer und koreanischer Textilien zu erforschen.

 

Als Walter Brix vom Museum zur Begutachtung eines Konvolutes von Röcken aus Südchina gebeten wurde, entstand innerhalb von kürzester Zeit die Idee einer Ausstellung, die dann auch noch in nur zwei Monaten umgesetzt wurde. Dass diese in Rekordzeit eingerichtete Schau zu einer wunderbaren Präsentation außergewöhnlicher Textilien gehört, davon kann man sich nun in Basel überzeugen. Die Ausstellung ist noch bis zum 20.1.2013 zu sehen. Mit eigens für die Ausstellung entwickelten Gestellen trägt man nicht nur der textilen Handwerkskunst Rechnung, sondern inszeniert diese besonderen Röcke als Objekte, als Skulpturen. Mit Korrespondenz-Stücken aus Afrika und Europa entstehen hier einmalige Einblicke.

 

Die Frauen der chinesischen Volksgruppe der Miao tragen ihre nachtblauen Röcke voller Stolz. Über Generationen haben sie Färbetechnik und vor allem die Geheimnisse weitergegeben, wie man die zum Teil nur millimetergroßen Plissee-Falten hinbekommt. Diese Aspekte und vor allem der geheimnisvolle metallische Glanz der Röcke haben wahre Meisterwerke hervorgebracht. Die in unvorstellbar zeitintensiver Arbeit hergestellten Textilien sind Teil der kulturellen Identität der Miao und die Kennerschaft der Frauen wird zu einem hohen Gut für das Volk, das erst spät eine gleichberechtigte Stellung in China erlangte. Der nachtblaue Farbton wird durch einen aufwändigen Färbeprozess erzielt. Zunächst stellen die Frauen eine Masse aus Indigofarbstoff, Kalk, Urin und Asche her. Durch Zusatz von Reiswein begünstigt man das Wachstum von Bakterien, die den Indigofarbstoff für das Färben nutzbar machen sollen. Jeden Morgen prüfen die Frauen das Ergebnis mit der Zunge und entscheiden danach, ob es die richtige Zusammensetzung für den Färbeprozess ist. Nun wird in mehreren Gängen der Stoff gefärbt, der sich immer mehr mit dem Blau sättigt. Durch das Schlagen mit einem Holzhammer wird der Farbstoff sozusagen in das Gewebe eingearbeitet und der metallische Glanz entsteht. Zur Nachbehandlung wird Tierblut, Auszüge von Baumrinden oder Pflanzenteilen verwendet. Manche Röcke werden zusätzlich mit einer eisenhaltigen Lehmschicht versehen, was dem Ganzen eine lackartige Oberfläche verleiht. Das Faltenlegen erfolgt zumeist in zwei Varianten - entweder werden die Falten von Hand gelegt oder es wird die Fältelung durch Reihen von Vorstichen vorgegeben. Bei den Faltenlagen haben sich unterschiedliche Muster entwickelt, die mal zu mehr Fülle (wenn die Falten nach unten hin wieder geglättet werden) mal zu unglaublich raffinierter Feinheit (Falten mit minimaler Schrägverschiebung) führen.