Welchen Gewinn das Museum als außerschulischer Lernort vor allem für das weite Feld des Sprachenlernens bringen kann, hat man mittlerweile in vielen deutschen Museen erkannt. Der Museumsdienst Köln beschreitet vor allem in methodischer Hinsicht neue Wege in der Sprachförderung im Museum. Karin Rottmann hat bereits vor Jahren das Potential erlebnisorientierter Kunstvermittlung für Bereiche wie Deutsch als Fremdsprache oder auch Deutsch als Zweitsprache erkannt. Aktuell läuft eine Kooperation mit der Kölner Uni in einem Projekt  zur sprachlichen Förderung von Schüler/innen mit besonderem Bedarf, zu dem heute eine Seminar-Einheit stattgefunden hat. Ausgangspunkt für die Diskussion um die Verknüpfung von Sprachdidaktik und Museumspädagogik waren die monochromen Arbeiten von Yves Klein im Museum Ludwig. Deren auratische Austrahlung konnten die Seminarteilnehmer bereits bei einem vorherigen Museumsbesuch erleben. Wie wichtig dieser Aspekt der Aura des originalen Kunstwerkes für die Vermittlungsarbeit wie auch für die so wichtige Frage nach der Lernmotivation sein kann, zeigte sich im Verlaufe der Gespräche mit den Studenten.

Im Uni-Seminar sollte es nun gezielt darum gehen, das Methodenrepertoire vorzustellen. Die einzelnen Bausteine, die Karin Rottmann hier als mögliche Methoden im Zusammenhang mit den Arbeiten von Yves Klein mitgebracht hatte, reichten von kreativen Schreibrezepten wie ABC-Listen oder Elfchen bis zur Biografie-Arbeit und Erstellung von Mal-Vorlagen. Im Zentrum der verschiedenen Ansätze stand die Wortfeld-Arbeit mit der Farbe "Blau", die ergänzt mit literarischen Umsetzungen, sinnlichen Experimenten und erzählerischen Bearbeitungen eine hervorragende Möglichkeit zur Erstellung von Unterrichtseinheiten liefern kann. Die Museumspädagogik setzt den Fokus auf die Vermittlung der Inspiration, die durch die Kunst eines Yves Klein ausgelöst werden kann. Hier kann auch schon mal das meditative Malen eines tiefblauen monochromen Bildes ein Aha-Erlebnis hervorbringen, welches dann auch als Einstieg für das Reflektieren von Sprache genutzt werden kann. Auf diese Weise lässt sich ein Impuls der sinnlichen Erfahrung umsetzen in Wortschatz-Arbeit, bei der zum Beispiel nach Eigenschaften der Farbe "Blau" gefragt werden könnte.

Mit den unterschiedlichen Methoden ist binnendifferenziertes Lernen ebenso möglich wie die Gestaltung eines fächerübergreifenden Projektes. Ganz entscheidend für den Erfolg solcher Sprachprogramme ist die Einbettung in komplette Unterrichtseinheiten. Nur wenn der Besuch im Museum entsprechend vor- und auch nachbereitet wird, kann man die Möglichkeiten des Sprachenlernens im Museum voll ausschöpfen. Wenn dies gelingt - auch wenn es vielleicht ein etwas größerer organisatorischer Aufwand bedeutet - dann erreicht man durch die Synergien von Bildimpulsen, der speziellen Aura eines Museums und den Anleitungen zum selbstbewussten Erarbeiten eigener sprachlicher Beiträge so viel mehr als durch den bloßen Einsatz von Abbildungen aus dem Medienkoffer! Es gilt, den nachwachsenenden Lehrergenerationen dieses Potential eines Museumsbesuches nahezubringen. Wichtig ist allerdings auch das Testen museumspädagogischer Methoden für den Sprachunterricht auf Tauglichkeit hinsichtlich Zielgruppe und Sprachniveau. Nur mit dieser Praxis lassen sich die vorhandenen Programme auf die speziellen Bedürfnisse hin anpassen und perfektionieren. Mit Seminaren wie dem hier beschriebenen ist ein Anfang gemacht. Jetzt muss man auf das konstruktive Feedback hoffen.