Schade! Ich konnte krankheitsbedingt nicht nach Frankfurt fahren. Und wäre doch so gerne dabei gewesen! Doch dank des Social Web konnte ich einen Großteil des tollen Bloggertreffens miterleben, zu dem die SCHIRN nach Frankfurt geladen hatte. Alles in Allem scheint das eine ganz großartige Veranstaltung gewesen zu sein. Hier ein Bericht der SCHIRN mit einer laufend aktualisierten Liste der zahlreichen Beiträge, die nach dem schönen Erlebnis in vielerlei Perspektiven berichten. 

Was man feststellen kann: Die Anglo-Amerikaner sind uns in der Frage von Museums-Blogs doch um Einiges voraus. Vor allem, was die lockere und leichte Art des Bloggens angeht. Eine der bekanntesten Museumsfrauen auf diesem Gebiet ist wohl Nina Simon, die Direktorin des Santa Cruz Museum of Art & History. Sie begrüßt ihre Leser mit: Hi, I'm Nina Simon. Let's talk! Doch wie das Treffen der Blogger in Frankfurt gezeigt hat – da geht auch hierzulande noch Einiges. Es ist Bewegung in der Szene und Projekte wie KultUp und Kulturkonsorten zeigen, wie gewinnbringend die Vernetzung deutschlandweit sein kann. Es gibt viel Input zu diesem Thema wie das kluge Blog von Christian Henner-Fehr (den ich jetzt einfach mal für uns hier in Deutschland mit vereinnahme) oder auch das von Christian Gries, der sein Blog mit intellektuellen und scharfsinnigen Essays füllt. Besonders gerne lese ich auch das englischsprachige Blog von Jenni Fuchs, welches immer wieder überraschende Blicke auf die deutsche (und angelsächsische) Museumslandschaft wirft. Auch wertvoll sind die Beobachtungen von Museen im Social Web, wie die im Blog von Sebastian Hartmann. Er hat in seinem Weblog eine dankenswerte Auflistung deutscher Museumsblogs zusammengestellt, die ich mir heute alle einmal intensiv angeschaut habe.

Einmal quer durch deutsche Museumsblogs! Bereits an anderer Stelle erwähnt, mache ich mal mit dem Blog der Residenz Museen in München den Anfang. Dort bloggt ein Team aus Kunsthistorikern, die – wie auch wir hier – das Bloggen als Chance und Experimentierfeld sehen. „Zunächst einmal beschreiten wir, die Museumsmitarbeiter, hiermit neue Wege der Kunstvermittlung. Wohin sie uns führen werden, ist noch offen. Denn ihre Richtung kann sich im Zusammenspiel mit Ihnen und Euch ändern. Grundsätzlich wollen wir spannende Einblicke in den Arbeitsalltag eines der größten Museumskomplexe Bayerns – der Residenz München – geben.“ Besonders gut gefallen hat mir die Parallele, die sie in kulturwissenschaftlicher Manier aber mit einem netten Augenzwinkern zwischen dem Web 2.0 und den höfischen Gesellschaften des 18. Jahrhunderts ziehen (ja, besonders die kleinen Geheimnisse und Intrigen würzen doch auch die sozialen Netzwerke! Und Kaffee war damals wie heute der soziale Kitt ;-)
Am anderen Ende Deutschlands bloggt das Völkerkunde Museum in Hamburg und bedient sich der vielen Praktikanten und temporären Mitarbeiter, die ein Museum schon mal gerne hat und scheint jedem von ihnen aufzuerlegen, einen kleinen Gastbeitrag zu schreiben. Klasse Idee. Werde mir das für die Praktikanten des Museumsdienstes merken!
Beim DDR Museum findet sich ein gutes Beispiel für Integration eines Blogs in den gesamten Web-Auftritt. Das Museum nutzt das Blog als erweiterte Öffentlichkeitsarbeit und hat dabei auch ein Direktoren-Blog ins Leben gerufen. Das allerdings ist mit seinen letzten Eintrag eines Weihnachtsgrußes 2011 wohl eingestellt worden.

Das scheint überhaupt allgemein ein weit verbreitetes Phänomen zu sein. Beim Ausprobieren der Links, die Sebastian Hartmann gesammelt hat, gab es einige, die nicht mehr aktiv waren – wie z.B. der der Pinakothek, Sammlungsdinge oder das sehr viel versprechende „labor im museum für interaktive mitmachprojekte für alle besucher“ der Kunsthalle Emden. Das wird Schicksal der Blogs bleiben, solange sie immer nur nebenbei und ohne wirklichen Auftrag produziert werden. Wollen wir hoffen, dass sich das bald ändert!
Blogs können aber auch umziehen, wie das des Städel. Nach der gelungenen Eröffnung des Neubaus hat das Blog seine Funktion im Fundraising-Prozess abgegeben und ist nunmehr (auch die äußere Erscheinung scheint diesem Rechnung getragen zu haben) wieder ein sehr museal und kunsthistorisch strukturiertes Blog. Dies verraten auch die Kategorien: Alte Meister. Gegenwartskunst. Veranstaltungen. Blick hinter die Kulissen. Filme (die Filme des Städel sind alle hochprofessionell. Das ist ein großes Plus in deren Öffentlichkeitsarbeit). Tipps. Verschiedenes.

Wie entsteht eine Ausstellung? Wer sind die Menschen dahinter? Das sind sicherlich die Fragen, die sich potentielle Museumsbesucher stellen und beim Durchlesen der Beiträge im Blog der Bundeskunsthalle hatte ich tatsächlich das Gefühl, einen Blick hinter die Kulissen tun zu dürfen. Da wird auch nicht Halt gemacht vor heiklen Themen, wie unlängst die harsche Kritik in der Öffentlichkeit. Kein schlechter Stil, den das Bundeskunsthallen-Team da pflegt! Ebenfalls mit einigen netten Details wartet das Blog der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf. Hier werden Interviews mit Restauratoren geführt (wir haben auch immer wieder festgestellt, dass die Restauratoren-Führungen die beliebtesten auf den Museumsfesten waren) aber auch schon mal Dinge aus dem „Museumsshop“. Gut gefiel mir die Idee, die in der Stadt verteilte Werbung zur Ausstellung der Sixtinischen Madonna zu fotografieren. Das wäre auch eine nette Sache für Einsendungen von Besuchern. Eine schöne Verschränkung von Öffentlichkeitsarbeit und Blog, die an dem ansetzt, was jeder im Stadtbild täglich erleben kann. Sehr schön fand ich auch die Zeichnungen von Jenny Kuhnert. So kann man sich behelfen, wenn es – aus welchen Gründen auch immer – keine Fotos gibt.
Eine gute Idee hat das Team des skd Blog auch für die Kategorien-Benennung. Oft ufern diese doch gerne aus oder sind so beliebig. Hier heißt es: SKD Ausgestellt! SKD Entdeckt! SKD Nachgefragt! SKD Sixtina! SKD Vernetzt!

Diese kleine Museumsblog-Schau bringt eine Menge von Ideen und Anregungen für die Betreibung eines Blogs. Ich gebe zu – auch wir können noch optimieren und haben noch nicht die endgültige Form gefunden, diesen Blog hier zu einem perfekt funktionierenden Instrument der Museumsarbeit zu machen. Was als Projekt Blau begann, hat sich in der letzten Zeit zu einem Schwerpunkt-Thema museumspädagogischer Methoden entwickelt. Hier wünschten wir uns noch mehr Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen – das sind wohl auch in erster Linie unsere Leser. Wir planen gerade ein Vermittlungsprojekt, für welches das Blog ebenfalls gute Dienste leisten kann. Und experimentieren weiter. Vor allem sind wir weiter bemüht, uns in der Welt der Kulturblogger zu vernetzen. Das Bloggertreffen der SCHIRN hat auch uns wertvolle Anregungen für die Zukunft mit auf den Weg gegeben.