Kulturelle Bildung hat sich lange Zeit darauf konzentriert, die Vermittlung spezifischer Inhalte für die jeweiligen Zielgruppen in eine Richtung zu konzipieren. Immer ausgehend von den Standards, die die jeweiligen Inhalte festschreiben. Die aktuelle Wendung zu einer Kommunikation, bei der auch von der anderen Seite gelernt wird, setzt einen Paradigmenwechsel auch in der Vermittlungsarbeit voraus. Partizipation kann nur gelingen, wenn die Kommunikation keine Einbahnstraße ist. Hier kommt es auf gute Partnerschaften an, bei der das Vertrauen beider Partner eine wichtige Rolle spielt. Ein Projekt zur museumspädagogischen Qualifizierung das wir mit Mitarbeiterinnen des Begegnungs- und Fortbildungszentrums muslimischer Frauen e.V. in Zusammenarbeit mit der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien unternommen haben, zeigt, wie erfolgreich eine symmetrische Vermittlung auf Augenhöhe sein kann.

Mehrere Aspekte bestimmten die Konzeption einer gezielten Schulung von Mitarbeitern des muslimischen Bildungswerkes. Zum einen hat die Museumspädagogik in Köln schon seit Längerem gute Erfahrungen mit der Erweiterung der Vermittlungsarbeit durch multikulturelle Bezüge gemacht. In einer Stadt wie Köln gibt es zahlreiche Initiativen und Vereine, die sich um die Integration bemühen. Köln ist geprägt von kultureller Vielfalt  und so ist sieht es der Museumsdienst der Stadt als eine wichtige Aufgabe, auch in diesem Rahmen zu agieren. Darüber hinaus stellt die Integration ausländischer Mitbürger einen nicht zu unterschätzender Faktor für die zukünftige Entwicklung der Museumspublikums in  Köln dar. Möchte man also aus den erwähnten Gründen mit den museumspädagogischen Angeboten auch die vielen Kulturen in der Stadt erreichen, so ist eine erfolgreiche Partizipationsstrategie nur über die Mitarbeit der Menschen, die es betrifft,  an der Gestaltung von Bildungsangeboten zu erreichen.

 

Museum als Ort des Dialogs
Ein Museum kann auf vielfältige Weise einen Dialog anstoßen. Da sollte zunächst einmal der Dialog zwischen dem Museumsbesucher und den Objekten stehen. Ob dieser stumm abläuft über die Hintergründe, die in der Sammlung inszeniert werden oder als eine gezielte Präsentation für das Auge des Betrachters abläuft – immer sollte eine lebendige Diskussion das Ziel der  Vermittler und Kuratoren sein. Nicht unterschätzen sollte man auch das Dialog-Potential mit dem ständig vor Ort sich aufhaltendes Aufsichtspersonal. Eines ist klar. Das Museum als Raum, die Bezüge zu den dort aufbewahrten Objekten, die Art und Weise der Präsentation – durch alles gibt es Gesprächsanlässe. Nicht zuletzt versetzt die besondere Aura eines Museums die Besucher in einen besonderen Zustand. Und hier setzt der Mehrwert einer interkulturellen Museumspädagogik an. Denn Das Museum kann in diesem Zusammenhang auch als Integrationsort gesehen werden, der neben der sozialen Integration auch die kognitive bzw. kulturelle Integration fördern hilft.


Mehrsprachige Angebote
Die Forderung nach kultureller Diversität erstreckt sich auch auf die Museumslandschaft. Hier sollte der Zugang für alle über eine mehrsprachige Vermittlungsarbeit selbstverständlich sein. Einige gelungene Projekte des Museumsdienstes haben gezeigt, welche Rolle die Förderung von Mehrsprachigkeit in der museumspädagogischen Arbeit spielen kann. Die Teilnehmer an verschiedenen Workshops haben eine Beziehung zum Museum durch selbstbewusste Nutzung der Herkunftssprache aufbauen können. Hier sind sie nicht diejenigen, die noch nicht gut genug Deutsch können, sondern können mit ihrer Sprachkompetenz glänzen. Die positiven Impulse für die Integration sind nicht zu übersehen bzw. überhören. Sprachen ohne Grenzen – ein wichtiger Ansatz für die Museumspädagogik (Von Babylon nach Köln). Aber auch das Training einer Fremdsprache kann im Museum mit den vielen Sprechanlässen durch die Kunst zu einem gewinnbringenden Erlebnis werden.

 

Interkulturelles Training
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, dass es für muslimische Mitbürger eine Zumutung sein könnte, in einem Museum den vielen Aktdarstellungen gegenüber zu stehen? Oder wie eine muslimische Museumsbesucherin die Präsentation der Turkomania im europäischen Porzellandesign des 18. Jahrhunderts im Museum für angewandte Kunst beurteilt. Über die gemeinsame Arbeit am Museumsobjekt begegnen sich die Kulturen und können über die unterschiedlichen Auffassungen bzw. auch gemeinsamen Erfahrungen diskutieren. In einem Museum für angewandte Kunst erstreckt sich dies vor allem auf die Fragen nach Gebrauch aber auch nach der Bedeutung von Formen und Dekoren. Das Museum moderner Kunst bietet besonders mit den abstrakten Bildern eine Folie für die unterschiedlichen Erfahrungsberichte.


Vernetzungen/Partnerschaften
Auch für die Bildungslandschaft lässt sich der Trend „Kooperation“ als zukunftsweisend ausmachen. Erfolg ist,  wenn es gelingt, gemeinsam ein Ziel zu verfolgen. Die Zusammenarbeit mit einem muslimischen Bildungsträger bietet die Möglichkeit, Angebote direkt mit der Zielgruppe gemeinsam zu entwickeln. Auch mit anderen Zuwanderergruppen sind Konzepte geplant und wir bereiten gerade unsere Teilnahme an einer deutschlandweiten Aktion des Deutschen Museumsbundes vor. Hierzu berichten wir in Kürze mehr.